Thomas Mann und Luther

In einer Zeit der Dominanz von Friedrich Nietzsches Weltbild des Nihilismus eröffnet Thomas Mann mit der Konfirmationsfrage „Was ist das?“ aus Luthers Kleinem Katechismus seinen ersten Roman Buddenbrooks, der auch sein protestantisches Herkommen aus Lübeck spiegelt. Stationen seiner Auseinandersetzung mit dem Religiösen sind das Stück Fiorenza über den Vor-Reformator Savonarola, die Moses-Erzählung Das Gesetz, der Deutschland-Roman Doktor Faustus, der Gnaden-Roman Der Erwählte und der letzte, fragmentarisch gebliebene Werkplan des Dramas Luthers Hochzeit. Auch in seinem essayistischen Werk nimmt Thomas Mann immer wieder auf Luther Bezug.

Im Jahr 1918 erwirbt er voller Begeisterung die Luther-Skulptur des Bildhauers Hans Schwegerle für seinen Schreibtisch. In seinem Essay Deutschland und die Deutschen aus dem Jahr 1945 formuliert er dagegen deutliche Distanz: „Ich liebe ihn nicht.“

Wie kommt Thomas Mann zu solchen Widersprüchen in der Beurteilung Luthers? In der Ausstellung werden die unterschiedlichen Positionen, die Thomas Mann im Laufe seines Lebens zu Luther einnimmt, anhand von Erstausgaben, bibliophilen Werken, Briefen, Fotos und Zeugnissen der lebendigen zeitgenössischen Debatten verdeutlicht.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf und der Thomas Mann Gesellschaft Düsseldorf.

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Ausstellungseröffnung

Donnerstag, 19. Oktober 2017, 18.00 Uhr
Vortragsraum der ULB Düsseldorf

Begrüssung
Dr. Irmgard Siebert
Direktorin der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

Vortrag
Luther und der deutsche Geist
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Volkmar Hansen

Umtrunk

Begleitvortrag

Dienstag, 5. Dezember 2017, 18.00 Uhr
Vortragsraum der ULB Düsseldorf

„Das Deutsche in Reinkultur [...] befremdet mich und ängstigt mich.“
Thomas Mann und Luther – Stationen einer kritischen Auseinandersetzung
Peter Klingel

Das Nachdenken über das Religiöse prägt Thomas Manns gesamtes Œuvre. Dabei fällt vor allem eins auf: dass es nämlich so etwas wie eine religiöse Quersumme seiner Werke – im Sinne eines einheitlichen, sein gesamtes Schaffen durchziehenden Verständnisses von Religiosität – nicht gibt. Theologische und religiöse Begriffe und Vorstellungen müssen vielmehr stets vor dem Hintergrund der jeweiligen Interessenlage des Autors gedeutet werden, sind also Gegenstand permanenter Reflexion und Transformation. In seinem Vortrag beleuchtet Peter Klingel diese Transformationsprozesse. Dabei wird der besondere Fokus auf dem Übergang von einer das Frühwerk dominierenden Kunstreligion, welche das Religiöse dem Ästhetischen unterordnet, zu einer religiösen Kunst, einer Kunst mit genuin religiösem Impetus also, die sich nicht zuletzt aus der Auseinandersetzung mit der lutherischen Gnadentheologie ergibt, liegen.

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