Huxleys „Brave New World“ im Kontext von Philosophie und Literatur

Lesetipps der ULB

Ausstellung im Foyer der Zentralbibliothek
August bis Oktober 2018

Utopien, vom griechischen Wort „Ou-Topos“ abgeleitet, was wörtlich als „Nicht-Ort“ zu übersetzen ist, beschreiben gute Orte: ideale, wenngleich fiktive Gesellschaftsordnungen, die frei sind von den historischen und kulturellen Zwängen der zeitgenössischen Gesellschaft und in denen Idealvorstellungen menschlichen Zusammenlebens erfolgreich umgesetzt sind. Typisch für die Utopie ist allerdings, beispielsweise im Gegensatz zur christlichen Vorstellung vom Paradies, ein immanenter Zweifel an der Erreichbarkeit ihrer Gesellschaftsvision.

Seit circa eineinhalb Jahrhunderten wird das literarische Genre der Utopie ergänzt durch Dystopien, pessimistische Visionen schlechter Orte, deren zerstörerische und unethische Gesellschaftsordnungen die Probleme der zeitgenössischen Gesellschaft weit übertreffen. Oft sind autokratische Regierungssysteme, ungebremster technischer Fortschritt oder die rigorose Unterdrückung individueller Freiheiten die Faktoren, die das Leben in dystopischen Gesellschaften problematisch bis unerträglich machen. Während die Utopie gewisse Zweifel an der Erreichbarkeit ihrer Ideale hegt, zweifelt die Dystopie die Möglichkeit des Menschen, sich in Richtung einer besseren Gesellschaft zu entwickeln, grundsätzlicher an. So wie auch die Utopie ist die Dystopie häufig in der Zukunft verortet, oft auch in einem fremden Land.

Utopien und Dystopien dienen Autorinnen und Autoren verschiedener Epochen gleichermaßen als literarisches Mittel gesellschaftskritischer Reflexion, sei es anhand positiver Gegenentwürfe zur zeitgenössischen Gesellschaft, sei es anhand negativer Überzeichnungen der zeitgenössischen Missstände. So warnen moderne Texte des Genres beispielsweise vor Risiken wie Totalitarismus, Gleichschaltung der Individuen, ökonomischen Krisen, Konsumorientierung, kapitalistischen Wertvorstellungen, übersteigertem Fortschrittsoptimismus oder ökologischen Katastrophen.

Jahrzehnte nach dem Erscheinen von Thomas Morus‘ Roman Utopia wird dieser Titel allmählich zum Fachbegriff für ein Genre, das anfangs erzählerisch utopische Idealbilder imaginärer Staatsordnungen entwirft, im 20. Jahrhundert aber verstärkt literarische Schreckensszenarien, Dystopien. Mit Aldous Huxleys Brave New World lesen Studierende und Mitarbeitende der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Rahmen des Projektes „Heine meets Huxley“ einen der Klassiker dystopischer Literatur, dessen Titel, ähnlich wie der „Big Brother“ aus George Orwells 1984 zu einem sprichwörtlichen Begriff geworden ist. Die Ausstellung der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf gibt einen Überblick über weitere lesenswerte Utopien und Dystopien von der Antike bis ins 21. Jahrhundert. Exkurse auf gleichermaßen sehenswerte Filme runden den Überblick über das Genre ab.

Informationen zum Projekt unter: undefinedwww.hhu.de/HmH

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