Die cleveren Nonnen aus Paradiese

Virtuelle Ausstellung

Wer waren die Frauen, die im 14./15. Jahrhundert im Kloster Paradiese bei Soest die vier außergewöhnlichen und wunderschönen Chorbücher geschrieben und illustriert haben, die heute in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf verwahrt werden? Weshalb konnten sie noch in dieser Zeit – die allgemein als Zeit des Niedergangs gilt – so gut Latein? Und pflegten sie tatsächlich eine eigenständige liturgische Kultur, für die sie selbst Sequenzen komponierten?

Diesen und weiteren Fragen geht die virtuelle Ausstellung „Die cleveren Nonnen aus Paradiese“ nach, die von Studierenden der Geschichtswissenschaften und der Kunstgeschichte im Wintersemester 2018/2019 unter Federführung des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität und der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf kuratiert wurde. Sie eröffnet einem breiten Publikum unabhängig von Ort und Zeit einen einzigartigen Zugang zu den kostbaren Handschriften.

Die Ausstellung gliedert sich in sechs Sektionen:

  • Buchherstellung im Mittelalter
    Welche unterschiedlichen handwerklichen Arbeitsgänge waren für die Buchherstellung erforderlich? Sie lernen die Materialien kennen, die dafür benötigt wurden, und erfahren, wie die prächtigen Farben für die Malerei erzeugt wurden und welche Bedeutung den einzelnen Farben beigemessen wurde.
  • Geschichte des Klosters Paradiese
    Wie kam es im 13. Jahrhundert zur Gründung des Dominikanerinnenklosters? Weshalb wurde gerade Soest dafür ausgewählt und was wurde aus dem Kloster nach dessen Aufhebung?
  • Die Nonnen schreiben
    Wie lernten die Nonnen im 14. Jahrhundert das Schreiben? Woher wissen wir, dass die Handschriften in der ULB Düsseldorf im Kloster Paradiese entstanden sind? Welche Funktion haben die zahlreichen Beischriften in der künstlerischen Ausgestaltung der Handschriften? Und wie haben sich die Handschriften in den fast 700 Jahren seit ihrer Entstehung verändert?
  • Die Nonnen malen
    Inwiefern unterscheidet sich die künstlerische Ausgestaltung der Chorbücher aus Paradiese von der bildlichen Ausstattung in vergleichbaren Handschriften anderer Herkunft? Wir zeigen Ihnen am Beispiel zweier bedeutender Feste und deren künstlerischer Umsetzung, welche Funktion die prächtigen Bilder in den Handschriften haben.
  • Die Nonnen dichten
    In dieser Sektion stehen die Sequenzen im Fokus, von denen einige von den Nonnen selbst geschrieben wurden. Was zeichnet Sequenzen aus, wie und wann wurden sie gesungen?
  • Die Nonnen singen
    Welche Rolle spielte Musik bei der Strukturierung des Tages und Jahres im Kloster? Wie ist die Musik in den Chorbüchern dargestellt und welche Form der Musiknotation wurde im Mittelalter verwendet? Auch zeigen wir Ihnen, welche verschiedenen Gesänge sich im Laufe des Mittelalters entwickelten.

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Die Freischaltung der virtuellen Ausstellung erfolgte am 16. Mai 2019 im Rahmen des Festabends Musik aus Paradiese. Parallel zur virtuellen Ausstellung entstand eine Publikation, die in kurzen wissenschaftlichen Beiträgen den kulturgeschichtlichen Hintergrund der Handschriften erläutert und außerdem eine CD enthält, auf der der Chor Ars Choralis Coeln die mittelalterlichen Stücke aus den Handschriften wieder zum Hören bringt. Die Publikation (Broschüre mit CD) ist im Buchhandel erhältlich.

 

 

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