Wiederentdeckung der Düsseldorfer Kreuzherrenbibliothek

Gemeinsames DFG-Projekt des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte und der ULB Düsseldorf bewilligt

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt „Die Düsseldorfer Kreuzherrenbibliothek – Rekonstruktion und vergleichende Analyse“. Die für die Stadt Düsseldorf bedeutsame und bislang kaum bekannte Bibliothek des spätmittelalterlichen Kreuzherrenklosters wird digital erschlossen und erforscht. Der intellektuelle Horizont und die Wissensordnung der Kreuzherren wird mit Schwerpunkt auf die Zeit des großen Medienwechsels im 15. und 16. Jahrhundert in ihrem historischen Kontext verortet.

Die historischen Bestände der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) bergen einen der wichtigsten mittelalterlichen Bücherschätze Düsseldorfs: die Bibliothek des hiesigen Kreuzherrenkonvents. Im Jahre 1443 gegründet bildete das Kloster, das auch ein eigenes Skriptorium umfasste, eine umfangreiche Bibliothek heraus, die nicht nur die größte Klosterbibliothek in der Stadt, sondern auch eine der umfangreichsten Bibliotheken innerhalb des Ordens war. 1812 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisierung aufgelöst und sein Buchbestand an die Königliche Landesbibliothek, die Vorgängerinstitution der heutigen ULB, überführt. Dort wurden die Bücher mit etwa 20.000 weiteren Bänden, die aus anderen niederrheinischen und westfälischen Klöstern nach Düsseldorf gebracht wurden, zusammengeführt. Diese bedeutende Sammlung ist bislang praktisch unerforscht, nicht zuletzt weil durch die Zusammenführung nicht mehr ersichtlich war, welches Buch aus welchem Kloster stammt.

In einem zweijährigen von der DFG geförderten Verbundprojekt des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte der Heinrich-Heine-Universität (HHU) und der ULB Düsseldorf wird nun die Bibliothek des Klosters digital rekonstruiert und der erhaltene Bestand in der ULB Düsseldorf analysiert. „Die Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl ist ein wahres Geschenk. Es ist ideal, wenn der eigene Bestand auf der Grundlage der bibliothekarischen Erschließung weiter und tiefer erforscht werden kann“, so Frau Kessen, Leitende Direktorin der ULB. Bereits in der Projektvorbereitung konnten 92 mittelalterliche Handschriften, vier Fragmente und 229 Drucke des 15. und 16. Jahrhunderts in 157 Bänden wieder aufgespürt werden. Diese erwiesen sich durch frühere Besitzvermerke, alte Signaturen und besondere Merkmale der Bucheinbände als dem Kloster ehemals zugehörig. Aus diesem Grund stellen neben den bibliographischen Angaben auch solche exemplarspezifischen Besonderheiten Kriterien dar, die von der ULB in diesem Projekt erstmalig für alle Exemplare erfasst und recherchierbar gemacht werden. Die digitale Präsentation wird darüber hinaus eine Synopse der Düsseldorfer Bibliothek mit den Kreuzherrenbibliotheken Hohenbusch, Wickrath und Memmingen bilden. Auf diese Weise werden das geistige und religiöse Profil, der Aufbau und der Zuschnitt der Bibliothek wieder ersichtlich.

Auf Basis dieser Arbeiten werden in einem Promotionsvorhaben am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte mit vergleichendem Zugriff Buchbesitz, Schriftlichkeit und intellektuelles Profil des Ordens in der Residenzstadt Düsseldorf herausgearbeitet. Ziel des Projekts ist es, den Aufbau der Buchsammlung und das breite Netzwerk der Kreuzherren in der Zeit des großen Medienwechsels zu erfassen und im historischen Kontext zu verorten. „Voraussetzung für dieses anspruchsvolle Vorhaben,“ so die Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der HHU, Eva Schlotheuber, „sind gute Kenntnisse der Paläographie, Kodikologie und Handschriftenkunde. Das Verbundprojekt bietet deshalb nicht zuletzt, in Zusammenarbeit mit der ULB diese wichtigen Kompetenzen des wissenschaftlichen Nachwuchses für die Erforschung unseres kulturellen Erbes zu fördern und für die Geschichte der Stadt Düsseldorf fruchtbar zu machen."

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