Nachruf Professor Dr. Günter Gattermann (1929–2018)

Am 21. Dezember 2018 verstarb mit 89 Jahren in Düsseldorf Professor Dr. Günter Gattermann, langjähriger Direktor der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.

Geboren am 6. Mai 1929 in der Nähe von Wetzlar, studierte Günter Gattermann Geschichte, Klassische Philologie, Englisch und Philosophie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt/Main. 1956 folgte die Promotion mit dem Titel „Die Deutschen Fürsten auf der Reichsheerfahrt. Studien zur Lehnskriegsverfassung der Stauferzeit“.

Nach der Referendarzeit an der Stadt- und Universitätsbibliothek in Frankfurt/Main und dem Bibliothekar-Lehrinstitut in Köln nahm er in Frankfurt unter den Direktoren Hanns Wilhelm Eppelsheimer und Clemens Köttelwesch seine erste bibliothekarische Tätigkeit auf und war dort u. a. an der Planung des Neubaus der Stadt- und Universitätsbibliothek beteiligt. Zugleich begann er am neugegründeten Lehrinstitut für Dokumentation seine umfangreiche und langjährige Lehrtätigkeit, die er später am Bibliothekar-Lehrinstitut in Köln und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf fortsetzte. Diese Verbindung von Dokumentation und Bibliothekswesen stärkte in seiner ganzen beruflichen Laufbahn sein stark interdisziplinäres, von der Praxis geprägtes Denken. Wie Elisabeth Niggemann in ihrem Beitrag zur Festschrift anlässlich Günter Gattermanns 65. Geburtstags schreibt, boten die „… Frankfurter ‚Lehrjahre‘ … vieles von dem, was Günter Gattermanns späteren Berufsweg bestimmt: Arbeiten in Provisorien kriegszerstörter Gebäude, (Wieder-)Aufbau eines Büchergrundbestandes für Forschung und Lehre, Planung von Bibliotheksbau und –organisation, Gestalten der Ausbildung des Nachwuchses in Theorie und Praxis. Clemens Köttelwesch, der Direktor, lehrte einen unkonventionellen Arbeitsstil, Improvisieren, pragmatisches Handeln, Spürsinn für das Machbare.“

Schon 1961 übernahm Günter Gattermann die Leitung der im Aufbau befindlichen Bibliothek der Bergakademie Clausthal-Zellerfeld, der späteren TU Clausthal-Zellerfeld, deren Organisation und Struktur er maßgeblich prägte. Im Herbst 1970 wurde Günter Gattermann zum Leiter der neugegründeten Universitätsbibliothek Düsseldorf ernannt. Auch hier leistete er wichtige Aufbauarbeit, indem er mehrere Vorgängerbibliotheken mit Beständen und Personal zusammenführte und zu einer leistungsfähigen, an den Bedarfen von Forschung und Lehre orientierten Universitätsbibliothek ausbaute. Nach räumlich schwierigen Anfangsjahren konnte er 1979 den von ihm in seiner Funktionalität entscheidend geprägten Neubau der Zentralbibliothek in Betrieb nehmen. Diese bildet zusammen mit den dezentralen Fachbibliotheken auf dem Campus der Universität das integrierte einschichtige Bibliothekssystem der Universität Düsseldorf.

Günter Gattermann hat früh erkannt, dass neben ausgezeichneten (Alt-)Beständen v. a. auch eine gute EDV-Unterstützung und Technikeinsatz für eine moderne, leistungsfähige Informationsversorgung wichtig sind. So war die UB Düsseldorf eine der ersten wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland, die ihren Nutzerinnen und Nutzern einen öffentlichen elektronischen Katalog (OPAC) zur Verfügung stellte. Auch für eine elektronische Unterstützung der Inhaltserschließung durch maschinelles Indexieren stellt er früh die Weichen. Die Düsseldorfer Jahre von 1970 bis 1994 – in diesem Jahr ging Günter Gattermann in Ruhestand – waren gekennzeichnet von der vielfältigen Leidenschaft und dem unermüdlichen Einsatz für Bibliotheken und für bibliothekspolitische Aufgaben, die er gerne wahrnahm. So war er zugleich Mitglied in verschiedenen Ausschüssen zu den Themen Informationsvermittlung, Datenverarbeitung und maschinelle Dokumentation bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, verschiedenen Ministerien und der Max-Planck-Gesellschaft sowie der Internationalen Vereinigung bibliothekarischer Verbände und Einrichtungen (IFLA). Unermüdlich setzte er sich für die Belange der Bibliotheken ein, galt bereits zu Lebzeiten als einer der maßgeblichen Wegbereiter für die moderne Bibliothek als Serviceeinrichtung sowie Wissens- und Lernort und prägte maßgeblich die Bibliothekslandschaft in Nordrhein-Westfalen. „Besonders intensiv hat sich Günter Gattermann seit 1970 in der regionalen Bibliotheksplanung in Nordrhein-Westfalen engagiert“, schreibt Elisabeth Niggemann in der oben erwähnten Festschrift. „Es gibt kaum bibliothekarische Probleme oder Aufgaben, an deren Lösung er im Lande nicht mitgewirkt hätte: vom Einsatz der Datenverarbeitung bis zur Altbestandssicherung, von der Ermittlung des Bücherstellflächenbedarfs bis zur Evaluierung der Zeitschriftenschwerpunktfächer, vom Aufbau der Fachhochschul- und Gesamthochschulbibliotheken bis, zu guter Letzt, zur Neuformulierung und Erfüllung von Landesbibliotheksaufgaben. Die Nordrhein-Westfälische Bibliographie (seit 1983) und der Handschriftencensus Rheinland (1993) verdanken ihm ihr Erscheinen.“ Sein Einsatz für die kooperative Landesbibliothek Nordrhein-Westfalen führte dazu, dass aus der Universitätsbibliothek Düsseldorf 1993 die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf wurde. Günter Gattermann verstand es, Bibliotheksarbeit und die ‚Verantwortung für das Buch‘ stets kompetent und freundlich den politischen Gremien nahe zu bringen. Sein Ruf reichte weit über Deutschland hinaus und sein Rat wurde gerne gesucht, beispielsweise bei der Vertiefung der deutsch-niederländischen bibliothekarischen Verbindungen. 1994 erhielt er die Ehrenmedaille der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und ein Jahr später das Verdienstkreuz 1. Klasse.

Aufgrund seiner überregional anerkannten umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen wurde Günter Gattermann schließlich nach seiner aktiven Zeit in Düsseldorf 1994 zum kommissarischen Generaldirektor der im Aufbau befindlichen Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden berufen, die er bis 1996 leitete.

Die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf trauert um ihren verdienten ehemaligen Direktor, der die Bibliothek nicht nur in Struktur und Organisation maßgeblich beeinflusst hat, sondern ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein verantwortungsbewusster und charismatischer Vorgesetzter war.

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